#4,5 (Fortsetzung) – Was hat es mit der Liste auf sich?
Warum die Welt mehr Literatur, geschrieben von Frauen über Frauen, lesen sollte.

Bücher beeinflussen unsere Gedanken, unsere Einstellungen und Handlungsweisen, genauso wie es andere Medien, Menschen oder Ereignisse tun – oftmals nehmen wir sogar viel mehr mit, als wir uns bewusst eingestehen wollen. Nicht nur Inhalte, sondern auch Wörter, Aussagen, Charakterzüge und Vorstellungen werden während des Lesens in unserem Gedächtnis abgespeichert, wo sie für unterschiedlich lange Zeit zu Gast sind, wobei es so weit gehen kann, dass sie sogar unsere Persönlichkeit beeinflussen. Je mehr Romane ­- geschrieben von Männern über Männer – wir lesen, desto mehr prägt sich dieses Weltbild in unsere Köpfe ein und nach jeder Wiederholung erscheint es uns als ein bisschen mehr normal. Und genau deswegen ist es wichtig hinter die scheinbaren Grenzen der intellektuellen Literatur zu schauen und Romane von Frauen über Frauen zu fördern. Nur so kann eine andere Weltsicht in die Gedanken aufgenommen werden, eine Sicht, in der nicht Männer dominieren und in der wir die Bestärkung von Frauen in unser alltägliches Repertoire aufnehmen.

Zusätzlich darf man nicht vergessen, dass die Darstellung von Frauen (auch wenn es starke, herausragende Charaktere sind) in Büchern mit männlichen Ich-Erzählern eine verzerrte Sichtweise ist. Jegliche Beschreibung von Frauen wird zu einer subjektiven Angelegenheit, da sie durch die Augen eines Mannes geschieht. Es sind kleine Fallen, die sich einer*einem unaufmerksamen Leser*in auftun, die in unser Unterbewusstsein dringen und wie schon erwähnt ein bestimmtes Weltbild erzeugen, das im schlimmsten Fall geprägt ist von Stereotypen und veralteten Aussagen. Nicht nur werden Charakterzüge, sondern vor allem auch das Thema Weiblichkeit und was es wirklich bedeutet, eine Frau des 21. Jahrhunderts zu sein, nicht authentisch dargestellt.

Dadurch, dass wir selten darüber nachdenken, was genau wir lesen und somit zulassen, dass solche Vorurteile in unsere Einstellungen aufgenommen werden, zeigt sich kein Fortschritt bei der Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Der erste Schritt in die richtige Richtung hierbei ist, zu reflektieren, wie Frauen in dem Roman, den man gerade liest, dargestellt werden, und ob man mit diesem Weltbild einverstanden ist. Denn auch wenn es „nur ein Buch“ ist – die unterschwellige Botschaft brennt sich in unsere Gedanken ein und je öfter wir gewisse Stereotype aufnehmen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir sie als wahr empfinden und in unseren Alltag einbinden.

Bücher, über authentische Frauenpersönlichkeiten, die Probleme in ihren Leben bewältigen und das erreichen, was sie sich vorgenommen haben, sind motivierend. Es motiviert darüber zu lesen, was Frauen alles schaffen können und sei es auch, dass der Großteil Fiktion ist – solange der Gedanke auf den Seiten aufgeschrieben wurde, existiert er irgendwo und kann zur Realität werden. Denn noch immer gibt es viele Ungerechtigkeiten, die tagtäglich Frauen angetan werden und darüber liest man nicht nur in den versteckten Artikeln irgendwelcher Zeitungen, sondern man entdeckt sie auch direkt im unmittelbaren Lebensumfeld. Es wird für Rechte gekämpft und seien sie auch noch so minimal oder banal. Geschichten über Frauen, die etwas für sich persönlich Wichtiges erreichen, sollten in unsere Gedanken einschneiden und uns zeigen, dass sich der Kampf lohnt. Schlussendlich geht es nicht darum, Frauen und Männer gleich zu behandeln – es sind noch immer unterschiedliche Geschlechter, die unterschiedlich organisiert sind -, sondern eine ebenbürtige Gerechtigkeit herzustellen.

Wie bereits in meinem letzten Beitrag beschrieben, sehe ich es als große Chance, Romane oder Sachbücher über wichtige Frauenpersönlichkeiten der Geschichte zu lesen, um so unser Wissen über die Welt, in der wir leben, zu bereichern, denn (Achtung: Es folgen brand news!) es gab nicht nur männliche Erfinder oder Entdecker (etc.). Als Irrglaube unserer Geschichtsbücher hat sich diese Ansicht schon seit der Schule in unsere Gedächtnisse gestohlen, jedoch ist es uns heutzutage vergönnt, über die Großartigkeiten von historischen Frauen zu lesen, ohne dass wir gezielte, langwierige Internetrecherchen auf uns nehmen müssen. Je mehr Bücher darüber geschrieben und gelesen werden, desto eher kann sich unser Weltbild und unser Blick auf die Geschichte der Erde verändern. Denn Frauen sind nicht „das schwache Geschlecht“, das sich hinter den Erfindungen der Männer versteckt – man hat nur versucht ihre Fortschrittlichkeit zu vertuschen (und eine geraume Zeit lang leider auch geschafft).

Buchtipp: Good Night Stories for Rebel Girls von Elena Favilli und Francesca Cavallo (Hätte ich die Zeit dafür, würde ich am liebsten zu jeder dieser Frauen recherchieren und einen Roman oder ein Sachbuch schreiben!)

Schlussendlich liegt es jedoch an jeder Person selbst zu entscheiden, ob man Romane mit gewissem Weltbild und gewissen Ansichten fördern möchte oder nicht. Ich für meinen Teil habe in letzter Zeit gemerkt, dass es mir immer schwerer fällt, Bücher zu kaufen, hinter deren Inhalt und Ideen ich nicht eins zu eins stehen kann. Lesen ist essenziell, herausfordernd, unterhaltsam und emotional, aber vor allem etwas, um sich weiter zu bilden und das eigene Leben zu bereichern, damit man die Welt und sich selbst zu etwas Besserem macht.

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